Shiatsu: die Kunst der Berührung

Shiatsu: die Kunst der Berührung

26. September 2016 – Mit Verena Jungen sprach Franziska Richard

Shiatsu regt auf einer organischen und seelischen Ebene Selbstheilungs- und Regulierungskräfte an. Bereits eine einmalige Therapie ist wirksam. Ein Gespräch mit einer Expertin.

Frau Jungen, seit bald 10 Jahren wirken Sie im «Bellevue» als Shiatsu-Therapeutin. Was überrascht Gäste, die sich zum ersten Mal eine solche Behandlung verabreichen lassen, am meisten?
Dass sie sich so tief entspannen.

Welche Wirkung hat Shiatsu sonst noch?
Es steigert das allgemeine Wohlbefinden und belebt den Geist. Viele sind nach einer Behandlung voller Ideen und Tatendrang. Andere wiederum werden sich ihrer körperlichen Defizite bewusst und stellen Fragen.

Wieder andere frieren danach.
Ja, weil in ihrem Körper viel passiert. Das Gleichgewicht wird wiederhergestellt.

«Eine gute Shiatsu-Behandlung setzt einen vertrauensvollen Dialog ohne Worte voraus.»

Können Sie erzählen, was Sie während einer Behandlung konkret tun?
Ich erspüre Spannungszustände, die oft die Ursache von Krankheitssymptomen sind. Mit den Händen, oft auch mit den Ellbogen und den Knien übe ich Druck auf die Stellen, womit das Gleichgewicht im Körper wiederhergestellt wird. Dabei kommt es zu einem Austausch von Energien. Eine gute Shiatsu-Behandlung setzt einen tiefen, vertrauensvollen Dialog ohne Worte voraus. Während der Behandlung spreche ich kaum. Vielmehr vermittle ich dem Gast das Gefühl, dass er bei mir gut aufgehoben ist. Zwischen uns entsteht eine Stille und grosse Kraft – das ist eine wahrhaft berührende Kunst.

Wirkt Shiatsu vorbeugend oder heilend?
Beides. Shiatsu ist bei vielen Erkrankungen und Symptomen eine bewährte Behandlungsmethode, beispielsweise bei Verspannungen, inneren Blockaden, Atemproblemen, Stress, Migräne, Schlaflosigkeit, Zyklusproblemen etc.

Shiatsu geschieht am bekleideten Körper.
Bekleidet fühlen sich viele Menschen wohler und können sich besser entspannen. Gleichzeitig kann ich die Spannungen genauso gut ertasten wie auf der nackten Haut. Meine Augen brauche ich zum Arbeiten kaum.

«Bekleidet fühlen sich viele Menschen wohler und können sich besser entspannen.»

Hier die fernöstliche, also echte Shiatsu-Behandlung, dort die verwestlichte, also unechte Behandlung. Ein Klischee?
Man sollte das eine nicht gegen das andere ausspielen. Shiatsu hat chinesische Wurzeln und basiert auf dem Wissen der traditionellen chinesischen Medizin, sprich der Lehre des Meridiansystems und der Akupunktur. Zur gleichen Zeit hat sich in Japan eine Druckmassage verbreitet. Mit den Erkenntnissen aus der westlichen Medizin, der Physiotherapie und der Psychologie wurde eine Behandlungsmethode entwickelt, die zeitgemäss ist.

Macht die einmalige Shiatsu-Behandlung überhaupt Sinn?
Shiatsu regt auf einer organischen und seelischen Ebene Selbstheilungs- und Regulierungskräfte an. In der Wiederholung wirkt die Behandlung natürlich effizienter. Die einmalige Therapie kann trotzdem grosse Wirkung zeigen und Auslöser sein für einen bewussteren Umgang mit sich selbst.

Sollte man eine Shiatsu-Behandlung an den Beginn des Urlaubes stellen?
Ausschlaggebend ist, dass man nach einer Behandlung nicht ohne Abstand in den Alltag zurückkehrt, sondern Ruhe und die nötige Zeit findet, um die Behandlung wirken zu lassen. Wer Zeit hat, kann die Veränderungen besser wahrnehmen.

Shiatsu im Parkhotel Bellevue: bei Verena Jungen

60 Minuten | CHF 140

 

Zur Person | Verena Jungen (58) ist dipl. Shiatsu-Therapeutin (Int. Shiatsu-Therapeutin, Kiental) und betreibt in Kiental – neben ihrer Arbeit als Bäuerin – eine eigene Praxis. An zwei Tagen pro Woche arbeitet sie bei uns als Shiatsutherapeutin. Sie ist Mitglied der Shiatsu-Gesellschaft, der ASCA (Stiftung zur Anerkennung und Entwicklung der Alternativ- und Komplementärmedizin) und im Erfahrungsmedizinischen Register (EMR) eingetragen. Verena Jungen ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder.